Backstube · 10. August 2026
18 Stunden — die Zeitleiste eines Laibs
Von 14 Uhr bis 8 Uhr: Wie aus Mehl, Wasser und Zeit ein Sauerteigbrot wird, Etappe für Etappe.
Backstube · 10. August 2026
Von 14 Uhr bis 8 Uhr: Wie aus Mehl, Wasser und Zeit ein Sauerteigbrot wird, Etappe für Etappe.
Ein Laib Sauerteigbrot hat, bis er in unserem Regal liegt, schon einen ganzen Arbeitstag und eine Nacht hinter sich. Kein Schritt lässt sich beschleunigen, ohne dass Krume oder Kruste darunter leiden — also zählen wir mit.
14 Uhr. Der Sauerteig kommt aus dem Glas, wird mit Mehl und Wasser aufgefrischt und beginnt zu arbeiten. Parallel ruht das Mehl für den Hauptteig schon im Wasser — Autolyse, eine Stunde lang, damit sich das Gluten von selbst ordnet, ohne dass wir kneten müssen.
15:30 Uhr. Sauerteig und Salz kommen dazu. Kurz kneten, dann Pause. Kein Mixer läuft stundenlang — der Teig macht die Arbeit selbst, wir greifen nur alle 30 Minuten ein.
17 bis 19 Uhr. Dehnen und Falten, vier Runden im Halbstundentakt. Der Teig wird mit jeder Runde straffer, die Oberfläche glatter. Bei rund 24 Grad Raumtemperatur reicht das, um Spannung aufzubauen, ohne dass wir ihn zerreißen.
21 Uhr. Formen. Der Teig wird zur Kugel gezogen, dann zum Laib geformt und kopfüber in den bemehlten Gärkorb gelegt. Die Naht zeigt nach oben, später beim Backen nach unten — sie hält den Laib in Form, bis die Hitze übernimmt.
21:30 Uhr. Ab in den Kühlschrank, bei rund 4 Grad. Die kalte Gare über Nacht bremst die Hefen, lässt den Bakterien aber Zeit — hier entsteht ein guter Teil der Säure, die den Laib später trägt.
6 Uhr. Der Ofen heizt auf 250 Grad vor, mit Schwaden. Die Laibe kommen aus dem Kühlschrank, kalt und straff.
6:30 Uhr. Einschießen. Ein Schnitt mit der Klinge, damit der Laib weiß, wo er aufreißen soll, dann Dampf für die ersten Minuten — er hält die Kruste dehnbar, solange der Ofentrieb noch läuft.
7:15 Uhr. Raus aus dem Ofen. Die Kruste ist dunkel, fast schwarzbraun an den Rissen, und knackt beim Abkühlen hörbar.
7:45 Uhr. Auskühlen. Ein Laib, der zu früh angeschnitten wird, verklebt innen — die letzte halbe Stunde gehört dem Brot allein.
8 Uhr. Theke. 18 Stunden nach dem ersten Handgriff steht der Laib bei uns im Regal, bereit für den ersten Schnitt des Tages.
Dazwischen liegen keine Abkürzungen — nur Zeit, Temperatur und ein paar feste Handgriffe zur richtigen Uhrzeit. Wer früh genug bei uns ist, riecht die letzten Laibe noch, bevor er sie sieht: warmes Getreide, ein Hauch Säure, dazu der scharfe Geruch frisch gebackener Kruste. Das Rezept dahinter ist keins, das sich abkürzen lässt — wer weniger Zeit gibt, bekommt weniger Geschmack zurück.
Für uns ist diese Zeitleiste kein Sonderfall, sondern der Alltag hinter jedem Laib, den wir verkaufen. Deshalb gibt es bei uns auch keinen Laib, der schneller geht als 18 Stunden — Mehl, Wasser, Salz und Zeit sind die einzigen Zutaten, und an der letzten lässt sich kaum rütteln.